Shimla, Donnerstag, 4. Oktober 2001
Goodbye India, how are you,
i'm a kyb and travelling through your land,
i've gone from seaside to the desert and the mountains,
and it's been a long, long way for me to go.
Jaja,
so ist es leider nun schon soweit, morgen trete ich die Heimreise an.
Momentan bin ich noch in Shimla, am Rande des Himalayas, morgen fahre ich
mit dem
Zug nach Delhi und dort gleich weiter mit dem Flugzeug nach Deutschland.
Allerdings ist viel passiert in den letzten Tagen.....
Shimla
Wie schon angekuendigt bin ich am naechsten Morgen nach der letzten Mail auf
den Bergruecken zu dem Tempel hinaufgestiegen. Gegen kurz vor 7 war ich
oben, ein phantastisches Panorama ! Man konnte mindestens 100 km weit
schauen,
ganz in der Ferne sah man die schneebedeckten Gipfel des Himalaya. Auf dem
Weg
nach oben hat mich noch ein Mann zu dem Morgengebet im Tempel eingeladen und
nach kurzem Zoegern bin ich mitgegangen. Das Gebet ging so ungefaehr ne
halbe
Stunde, war super interessant:
Die Mehrzahl der Maenner steht vor dem Altar und betet, manchmal trompetet
der Priester etwas, einige Maenner wandern um den Altar und beten an den
Seitenschreinen. Irgendwann fangen sie an zu singen, einer faengt an die
Glocke zu
laeuten, ein anderen mit der naechsten Glocke folgt usw, bis 2 Trommeln, 5
Glocken, Schellen, Dschingdarassabums (ich weiss den Namen nicht) in voller
Lautstaerke die Goetter wecken sollen. So geht das ne halbe Stunde,
zwischendrin symbolische Waschung mit Feuer und Wasser. Echt interessant.
Danach war ich in der Christ Church, leider war an dem Sonntag kein
englischer Gottesdienst. Also beschloss ich, nachdem ich gefruehstueckt
habe, gleich weiter nach Sarahan zu fahren. Also auf zum Busterminal, nach
Bus gefragt und schoenen Platz hinter dem Fahrer mit viel Beinfreiheit im
privaten Bus gefunden. Auf nach Sarahan !
Sarahan
Die Fahrt ist atemberaubend auf zweierlei Weise: Die Landschaft und der
Fahrstil. Die LAndschaft ist super, der Fahrstil etwas angsteinfloessend.
Trotzdem komme ich nach 6 Stunden (fuer 70 Rs) in Rampur an, wo ich auf den
naechsten Bus warten muss und gleich von einem Inder zum Tee eingeladen
werde. Prima. Danach fuer 25 Rs nochmal 2 Stunden in der Dunkelheit bis
Sarahan.
Rampur liegt noch unten im Tal, Sarahan etwa auf 2200m. Da ich von der
Aussicht noch nicht allzu viel sehe und eigentlich nur ins Bett will, gehe
ich
gleich ins Tempel Guest House, wo ich ein Doppelzimmer im Bad fuer 150 Rs
kriege.
In der Tempelkantine bekomme ich noch etwas Thali mit Chapati (Reisplatte
mit Gemuesen und Brot). Danach ab ins Bett.
Der naechste Morgen bringt zuerst mal Dudelmusik und Glockengebimmel, was
mich um 7 allerdings noch nicht zum Aufstehen bringen kann, um 8 kaempfe ich
mich dann aus dem Bett. Zum Fruehstueck erwarten mich ungefaehr 50 Maedels,
die
hier wahrscheinlich ein Volleyball-Trainings Camp haben, ich muss etwas
warten bis Platz wird und werde ungeniert angestarrt. Danach 8 Toast mit
Butter
und 2 Tees. Frisch gestaerkt geht's auf, die Gegend zu erkunden. Da Sarahan
nicht gerade gross ist, kommt man unweigerlich am Hause eines Sadhus vorbei,
ein
Heiliger Mann, der halbnackt in seinem Garten sitzt und meditiert. Gleich
laedt er mich auf einen Tee ein, will mich zum Essen einladen, schnorrt 15
Rs
von mir und bietet mir was zum Rauchen an. Ich unterhalte mich ein bisschen
mit ihm, mache Fotos und wandere dann weiter den Berg hinauf.
Inzwischen habe
ich auch schon die ersten Ausblicke auf die Berge gehabt. Phantastisch. Auf
dem Weg laufe ich an einem Sportplatz vorbei, ein Schuljunge quatscht mich
an
und bietet sich mir als Fuehrer an und faehrt mich kurz darauf mit seiner
Vespa den Berg zu einem Aussichtspunkt hinauf. Wir verabreden uns fuer den
morgigen Tag, da an Gandhis Geburtstag schulfrei ist. Ich wandere nun den
Tag ueber
durch die Bergdoerfer oberhalb von Sarahan, mache Fotos, geniesse das gute
Wetter und treffe immer wieder total nette Menschen.
Auf dem Rueckweg schaue ich nochmal auf dem Aussichtspunkt vorbei, treffe
dort vier Inder, genauer Sikhs, die hier oben picknicken. Alle steinreich,
laden sie mich zum Essen ein. So sitze ich dort fuer 3 Stunden, geniesse
gegrilltes Lamm mit Reis und Gemuese, und diskutiere ueber Religion, Frauen,
Indien,
Deutschland, Wein, Whiskey, Quantenphysik und Politik. Allerdings werden
meine Gastgeber immer angeheiterter und ich verabschiede mich noch vor
Sonnenuntergang.
Nickey
Am naechsten Tag mache ich mich auf den Weg zu Nickey, dem Jungen, der heute
mit mir wandern gehen will. Auf dem Weg dahin treffe ich wieder etliche
Einheimische und muss immer wieder Fotos machen und Adressen sammeln. Nach
1,5
Stunden bin ich dann endlich bei ihm. Zuerst werde ich der Familie
vorgestellt, zum Tee eingeladen und bestaunt. Danach lassen wir uns von einem Freund
wieder auf dem Roller hoch zu dem Dorf fahren, wo ich gestern schon war. Von
dort geht's los. Nickey hat ein ziemliches Tempo drauf, obwohl er meinen
Rucksack traegt ! Wir stuermen die steilen Haenge hinauf, durch die Waelder, ueber
Stock und Stein, schaetzungsweise 1500 Hoehenmeter. Die Aussicht ist immer
wieder phantastisch, und oft machen wir Pausen, um diese Blicke zu geniessen.
Gegen Mittag machen wir auf einer Lichtung Rast, wo Nickey sogar ein
Baerenjunges entdeckt. Ich sehe leider bloss einige Adler. Trotzdem ein Megatrip, und
das in Tevas !
Wieder im Ort lade ich ihn zum Essen ein, dusche dann, aber abends beim
Essen taucht er nicht auf. Schade.
Am naechsten Morgen geht's mit dem Bus wieder zurueck, auf dem Weg ins Tal fahren wir an seinem Laden vorbei, ich kann ihm noch kurz winken.
Die Fahrt
Die Heimfahrt ist wieder atemberaubend, diesmal fahren wir oft an abrutschenden Haengen und Strassen vorbei, kurz vorher hatte es ziemlich geregnet. Ich vertraue mal auf die Fahrkuenste unseres Busfahrers. Auf einer Bruecke ist ein Laster eingebrochen und droht umzukippen, wir fahren schnell dran vorbei. Mit der Bauingenieurskunst ist es wohl nicht so weit her. Knappe 30 km vor Shimla geraten wir an eine Streikblockade von Studenten, die einen eigenen Bus fordern und die Strasse blockieren. Dutzende von Lastwagen und Bussen stauen sich, irgendwann schreitet die Polizei ein, ich bekomm's nur am naechsten Tag durch die Zeitung mit, die Demonstranten bewarfen die Polizisten mit Steinen, demolierten den Bus, der sie abtransportieren sollten. Die Polizisten geben Warnschuesse ab, da sie durch die Steine verletzt wurden. Ziemlich kritisch, aber nach 3 Stunden koennen wir weiter und sehen bloss noch die Buswracks. Unser Busfahrer meint, die 3 Stunden aufholen zu muessen und rast wie ein Irrer. Ich bange um mein Leben, komme aber dann doch noch in Shimla an, wo ich recht guenstig ein Hotelzimmer bekomme. (110 Rs fuer Doppelzimmer mit Bad, Warmwasser, TV).
Abreise
Heute morgen hab ich gleich mein Ticket fuer morgen gekauft, hab noch Postkarten geschrieben und andere Erledigungen gemacht. Morgen frueh geht es dann mit dem Zug zurueck nach Delhi und ab zum Flughafen und nach Deutschland. Seit Marco und Jo weg sind hatte ich ziemlich ueble Verstopfung, inzwischen geht's schon wieder etwas besser. Die beiden haben anscheinend noch ueblen Durchfall, komisch. Ansonsten freue ich mich auch wieder riesig auf daheim, auf Anja, auf die Band, auf meine Familie und alle, die ich hier nicht hatte.
Dies ist meine letzte Mail aus Indien, ich hoffe, es hat euch Spass gemacht, meiner Reise etwas zu folgen und wuensche euch allen noch alles Gute und bis bald.
Wolfgang