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Der Wecker klingelt um 8:30. Wir erleben eine Wäsche, wie man sie sich eigentlich bei
einem IR-Trip vorstellt, nämlich im eiskalten Fluss. Beim Frühstück gebe ich nicht zu,
das meine Müsliwahl doch nicht so berühmt war, jedenfalls nicht so schmeckt wie draufsteht
(Pfirsichmüsli ohne Pfirsich ist halt kein Pfirsichmüsli) Als wir um 9:50 auf die Uhr
schauen und merken, dass es schon 9:50 ist, fangen wir an, uns etwas zu beeilen, der Zug
steht noch da als wir fertig sind. Die Rückfahrt ist etwas informativer und das Intercom
wesentlich verständlicher (sowohl akustisch als auch sprachlich). Wir haben noch etwas
Zeit, als wir in Myrdal ankommen und verlassen den Bahnhof. Ein eiskalter, aber
erfrischender Gebirgsbach liegt auf dem Weg. Einige Steine und Felsen liegen im Wasser.
Wir lassen es uns gutgehen und ruhen uns auf den Steinen aus. Ein paar Meter weiter liegt
Schnee. Der Zug, der uns nach Bergen bringen sollte hat glücklicherweise Verspätung, sonst
würde Wölli nämlich nur noch zweieinhalb paar Socken haben (er kann den verlorenen Socken
aber durch seinen Geruchssinn schnell wieder finden (was keine besonders schwere Aufgabe
ist)). Ein moderner Zug fährt um 12:50 ein.
Wir reiben uns die Augen und überlegen, ob im Müsli Halluzinogene enthalten waren. Warum
erst jetzt? Norwegen liegt fast hinter uns!
Das ist also die Bergenbahn aus den Prospekten.
Heaven seems so near. Die Landschaft ist zwar schön, aber ödet uns langsam an. Norwegen
wird langsam alt, wir sind mental schon fast bei den schönen Engländerinnen (so dachten
wir damals jedenfalls noch). Während wir noch von baldigen Erlebnissen träumen, läuft der
Zug um 15:00 in Bergen ein. Max flippt dort gleich im Park aus. Er meint !"§%$lappen
gesehen zu haben. Er erstarrt und muss während dem Einkaufen mit Tobi im Park
zurückgelassen werden. Bergen ist eine große Stadt, eine Stadt, in der man gerne lebt,
eine Stadt mit einer Wäscherei, in der man waschen kann. Das tun wir auch. Nichtbeteiligte
werden auf Fotos unserer Waschaktionen vielleicht an eine amerikanische Laundry erinnert,
wo die alten Herren in Unterhose am Tisch sitzen und Karten spielen, so unrecht haben sie
gar nicht.
Mit sauberen Klamotten fahren wir mit der Floienbahn (NOK 15,-) auf Bergens
Hausberg. Hier gibt es einen Badesee. Hier gibt es keinen Badesee, eher ein
Wasser- Sonnenmilchloch. Dort finden wir aber einen Zeltplatz am Waldrand. Unser Essen:
Kartoffelpü mit Wurst. Nach dem Essen treffen wir einen "Förster" am Seerand. Wir
unterhalten uns mit ihm. Es scheint als hätte er, obwohl er schon ein paar Bierchen
intus hatte, trotzdem noch eine gewisse Peilung. Halt! Streicht den letzten Satz. Er
hatte keine Ahnung, oder er wollte uns böswilligerweise mit der Bergener Feuerwehr
bekannt machen. Die will sich uns nämlich vorstellen, nachdem wir auf Anregung des
vermeintlichen Försters ein Mückenvertreibefeuer gemacht hatten. Wir erkennen das
Problem der Feuerwehr vorerst nicht, da wir die Finessen der norwegischen Sprache
auch noch nicht so ganz erkennen. Die Feuerwehr stellt auf Englisch und nett um und
bittet uns das Feuer zu löschen, geht dann auch gleich wieder, lässt uns allerdings im
Ungewissen über ein späteres Aufkreuzen der Polizei. Diese hat uns entweder verpasst,
oder kam gar nicht.
Wir sind gerade wieder am auflockern, als der nächste Schock kommt. Der bergische Rentnernacktbadeverein schaut nämlich mal bei uns vorbei. Ihre Mitglieder folgen genau den Vereinsregeln: bei gehobenem Alkoholspiegel baden, andere baden gehen lassen und sich gegenseitig über Schniedelgrößen lustig machen. Wir gehen zum Aussichtspunkt und bewundern das nächtliche Bergen. Als wir um 24:00 in die Heia kriechen, schlafen wir sofort und verarbeiten die Erlebnisse im Traum.