Meine Zeltkollegen und ich werden um 4:30 durch das sanfte Geräusch von auf das Zeltdach fallendem Regen aufgeweckt. Dieses sanfte Geräusch ist leider kurz später weniger sanft, d.h. dass wir uns schon mental auf viel Nässe am Morgen vorbereiten. Als wir dann Morgens um 9:00 wieder Aufstehen, hat der Regen aufgehört. Das Frühstück sieht genauso wie mein Abendessen am Tag zuvor aus. Obwohl wir nicht direkt unter Zeitdruck stehen, da von Eidsvoll wirklich die ganze Zeit Züge nach Oslo fahren, sind wir um 9:50 fertig und erwischen um 10:37 den Zug nach Oslo, der dort um 11:40 ankommt.
Wie alle Tage, die wir in Städten verbringen, steht uns auch heute ein harter Tag bevor.
Wir durchqueren zuerst die Fußgängerzone und machen eine kurze Pause am Schloß um unseren
weiteren Tagesverlauf zu planen. Das Streetwise Magazine, dass Wölli glücklicherweise noch
aufbewahrt hat, gibt uns ein paar nützliche Tips (so erzählt es z.B. auch die Geschichte
des russischen Agenten, der nur dadurch entdeckt wurde, weil er in Norwegen Donald Duck
nicht kannte). Einer dieser Tips führt uns zu Wallon Fisk + Laks, wo es tatsächlich auch
ganz gut schmeckt. Da wir das Wort Festung seit Trondheim mit guter Aussicht verbinden und
wir zufälligerweise auch in direkter Nähe einer solchen sind, betreten wir diese auch.
Max und Wölli wählen den ungefährlicheren und, wie sich später heraustellt, auch den
schnelleren Weg. Kaza, Tobi und ich versuchen nämlich in einer halsbrecherischen Aktion
die Mauern zu erklimmen, brechen die Besteigung jedoch auf halbem Wege ab, da es uns doch
zu gefährlich erscheint.
Die Aussicht ist ganz passabel, da wir uns aber einen noch besseren Überblick verschaffen wollen, fahren wir (Wölli leider nicht, er erkundigt lieber das Stadtzentrum und den Park) per T-Bana und Kinderticket (bis 16) zur Holmenkollen Skisprunganlage (OS 1952). Nach einigem Zweifel zahlen wir den Eintritt und gehen zuerst mal durch das Skimuseum. Naja, ganz interessant für Interessierte. Wesentlich besser wird es als wir die Treppen (wir sind auch teilweise mit dem Aufzug gefahren) zur Schanze hinaufsteigen. Wir wissen jetzt, wie sich die Springer ungefähr fühlen müssen, vor allem als wir oben ankommen. Höhenrausch und gute Aussicht. Wir gehen die relativ schmalen und wackeligen Stufen wieder runter und setzen uns an das mit Wasser gefüllte "Landebecken". Kleine Planschereien verschönern den Tag. Die Wiedervereinigung mit Wölli erfolgt um 17:07. Er hat was geschafft und kann uns die Lokation des RIMI enthüllen. Wir suchen diesen auch gleich auf und decken uns mit Proviant für den Abend und den Morgen ein. Wir sind leicht geschafft und haben vorerst mal genug von Oslo. Vor allem nachdem der echt bemühte Schalterknabe uns mitteilt, dass unsere Reise nach Bergen über Myrdal doch nicht so reibungslos ablaufen wird, die Züge sind überfüllt. Nach einem riesigen Buchungschaos, ist uns etwas später dann die restliche norwegische Route bekannt. Außerdem sind wir insgesamt um 250 NOK ärmer, da die Flåmbahn privat ist und extra kostet. Buchungsbedingt müssen wir nach Roå um am nächsten Tag den Anschluss nach Myrdal zu bekommen. Dort finden wir gleich einen netten Bauern, der uns auf seinem Grundstück übernachten lässt. Es handelt sich um eine Wiese, die von einem kleinen Wäldchen umgeben ist. Wir kochen uns ein Nobelessen: frische Tortellini mit Käsesahnesauce (später nur noch KSS). Unter der untergehenden Sonne spielen wir bis 22:30 noch etwas Schieb und legen uns dann nieder.